Vom 24. bis 26. September fand die Odoo Experience 2026 im Brussels Expo in Belgien statt. Wir waren vor Ort und haben live miterlebt, wie Odoo 20 vorgestellt wurde. Seitdem haben wir gesichtet, sortiert und mit unserem Team besprochen, was davon für unsere Kunden wirklich relevant ist.
Das Ergebnis ist dieser Überblicksartikel – der erste einer kleinen Serie. In den nächsten Wochen gehen wir auf einzelne Bereiche noch genauer ein: Marketing & Website, Buchhaltung, KI, Verkauf & Projekt sowie das Upgrade zu Odoo 20.
Quick Facts zu Odoo 20
KI-Agenten statt reinem Chat – arbeiten selbstständig im Hintergrund
Odoo wird zur Telefonanlage – Rufnummern direkt buchbar
Neuer Light User – günstigere Lizenz für Mitarbeitende mit eingeschränktem Funktionsumfang
Größerer technischer Umbau unter der Oberfläche – Upgrade braucht Vorbereitung
Was kostet Odoo 20?
Der Standard-Tarif und „One App Free" bleiben laut Ankündigung unverändert. Der Custom-Tarif steigt allerdings spürbar – von bisher rund 29,90 € auf 35,90 € pro Nutzer und Monat (für die ersten 12 Monate). Das ist eine Preiserhöhung von rund 20 Prozent.

Screenshot von https://www.odoo.com/de_DE/pricing
Interessant finde ich vor allem aber die neuen Light User um 7,90 € pro Monat. Diese decken eingeschränkte Bereiche ab, z.B. Personal-Selbstservice, Kasse, Lager, Mitarbeiterverzeichnis. Für Unternehmen mit vielen Mitarbeitenden, die nur gelegentlich ins System schauen (z.B. für Urlaubsanträge oder die Zeiterfassung), kann das die Lizenzkosten deutlich senken.
Ob und wie viel sich mit dem Light User tatsächlich sparen lässt, hängt stark davon ab, wer im jeweiligen Unternehmen welche Funktionen wirklich braucht – das lohnt sich, vor einem Upgrade einmal genau durchzurechnen. Ist aus unserer Sicht aber eine durchaus spannende Änderung.
KI: weniger Chat, mehr Automatisierung
Der größte inhaltliche Umbau in Odoo 20 betrifft die KI. Bisher konnte man mit dem KI-Chat Fragen stellen. Jetzt bekommt man sogenannte AI Agents – die nicht nur antworten, sondern auch eigenständig Aufgaben übernehmen. Ein Agent lässt sich mit Anweisungen und Wissen (Dokumente, Knowledge-Artikel) füttern und reagiert dann selbstständig, entweder zeitgesteuert oder wenn sich etwas im System ändert. Bevor ein AI Agent aber tatsächlich Daten verändert, fragt er standardmäßig noch einmal nach. Das nimmt einem als Unternehmer die Angst, dass eine KI unkontrolliert im System herumwerkelt.
Ein paar Beispiele, wie das in der Praxis aussehen kann: Ein Agent bestätigt automatisch einen Verkaufsauftrag, sobald die passende Bestätigungs-Mail eintrifft. Er weist neue Leads automatisch dem richtigen Vertriebsmitarbeiter zu. Oder er meldet sich, sobald ein Lagerbestand kritisch wird.
Technisch spannend für uns als Partner: Jede Odoo-20-Datenbank mit Enterprise-Lizenz kann als sogenannter MCP-Server dienen. Externe KI-Werkzeuge – etwa Claude oder andere Assistenten – können sich damit direkt und sicher mit Odoo verbinden, immer nur mit den Zugriffsrechten des jeweiligen Benutzers.
Mehr dazu später in einem eigenen Artikel unserer Serie.
Auch die Website denkt mit
Der Website-Baukasten bekommt ebenfalls einen KI-Assistenten. Aus einer kurzen Beschreibung baut er eine ganze Seite – inklusive Rückfragen zum gewünschten Stil. Fehlt ein Baustein, erstellt der Assistent ihn bei Bedarf selbst, sogar mit JavaScript – fragt aber vorher ausdrücklich um Erlaubnis. Auch der Einrichtungsassistent für neue Websites wurde überarbeitet: Er fragt jetzt nach der Positionierung der Marke und schlägt passend dazu eine Farbpalette vor.
Auch im Webshop gibt es einige Detailverbesserungen, die für den Alltag durchaus relevant sind, dazu später mehr in einem eigenen Artikel unserer Serie.
Was sich sonst im Alltag ändert
Ein paar Detailverbesserungen, die in der Keynote wenig Bühnenzeit bekommen haben, uns aber im Kundenalltag relevant erscheinen:
Beim Angebot lässt sich jetzt zwischen Brutto- und Nettopreisen umschalten, ganze Abschnitte können als Vorlage gespeichert werden, und man kann direkt die gewünschte Marge eingeben statt den Verkaufspreis manuell zu berechnen.
Im CRM ist die Lead-Generierung – Firmendatenbank, Website-Besucher, Visitenkarten-Scan – jetzt an einem Ort gebündelt.
Die Telefonie-App wird außerdem zu einer richtigen Telefonanlage: Rufnummern direkt in Odoo bestellen, Anrufabläufe mit einem grafischen Editor bauen, Gespräche nachträglich einem Kontakt oder Ticket zuordnen.
Buchhaltung und was für Österreich wichtig ist
Das Buchhaltungs-Dashboard wurde überarbeitet, Odoo schlägt beim Erfassen von Eingangsrechnungen künftig auch die Kostenstelle vor, und Anlagen lassen sich jetzt mit mehreren gleichzeitigen Bewertungen führen – etwa nach Unternehmens- und Steuerrecht.
Ein Punkt, den wir noch hervorheben wollen: Die Bezeichnung der Zahlungsstatus hat sich geändert. „Bezahlt" bedeutet in Odoo 20 nicht mehr exakt dasselbe wie in Odoo 19. Wer mit gespeicherten Filtern oder Auswertungen arbeitet, sollte das nach einem Upgrade auf jeden Fall prüfen.
Speziell für Österreich relevant: Ein neues Konto für Forderungen gegenüber dem Finanzamt, korrigierte Fristen bei UVA und Zusammenfassender Meldung, ein eigenes Feld für die Firmenbuchnummer, und bei der Registrierkasse (RKSV) liegen die Zugangsdaten künftig direkt in den Kasseneinstellungen.
Auch hier folgt noch ein eigener, ausführlicher Artikel.
Fazit
Odoo 20 ist für mich keine Revolution, sondern eine spürbare Weiterentwicklung – mit ein paar Punkten, die für unsere Kunden wirklich relevant sind, allen voran die Light User und die KI-Agenten. Andere Ankündigungen wirken auf der Bühne beeindruckender, als sie im Alltag tatsächlich sein werden.
Ihr wollt wissen, was Odoo 20 für euer Unternehmen konkret bedeutet? Wir schauen uns eure Datenbank, eure Anpassungen und eure Abläufe gemeinsam an.
Über den Autor
Gerald Aistleitner ist CTO und Mitgründer von MULTIOSS, offizieller Odoo-Partner in Oberösterreich. Er begleitet seit über 8 Jahren Unternehmen bei der Digitalisierung ihrer Prozesse mit Odoo.