Wir arbeiten bei MULTIOSS selbst täglich mit KI, deshalb haben wir uns die Neuerungen in Odoo 20 mit besonders kritischem Blick angesehen. In Odoo 19 war KI vor allem ein Chat: Man stellt eine Frage und bekommt eine Antwort. Mit Odoo 20 wird daraus eine Plattform für Agenten, die nicht mehr nur antworten, sondern Aufgaben übernehmen können.
Als ERP-Consultant interessiert mich dabei vor allem eines: Was davon hilft Unternehmen im Alltag, und worauf müssen sie vorher achten? Das ist ein Artikel unserer Odoo-20-Serie. Den Gesamtüberblick findet ihr im Artikel von Gerald.
Agenten, die Aufgaben übernehmen
Ein KI-Agent bekommt in Odoo eine Rolle, Anweisungen, Werkzeuge und Wissensquellen. Wie er sich verhalten soll, legt man über eine Konfigurationsoberfläche fest, inklusive Sicherheitsrichtlinien. Die „Themen” aus Odoo 19 heißen jetzt „Fähigkeiten”.
Der Schwerpunkt wandert damit vom Chat zur Automatisierung: Agenten lassen sich jetzt auch von Automatisierungen und geplanten Aktionen aufrufen. Was mir dabei besonders gefällt:
Nachvollziehbarkeit: In den Automatisierungs-Chats sieht man, wie ein Agent die Aufgabe gelöst hat, und kann Änderungen anfordern, wenn er auf Fehler gestoßen ist
Rückfragen per Klick: Auf Fragen, Berechtigungsanfragen und Vorschläge des Agenten antwortet man per Schaltfläche
Sicherheitsnetz: Erreicht ein Agent sein Limit an Werkzeugaufrufen, fragt er vor dem Weitermachen nach
Ein Beispiel aus der Keynote: „Sobald eine E-Mail mit einer Bestellung eingeht, lege den Verkaufsauftrag an, schicke dem Kunden eine Bestätigung und markiere ihn zur Prüfung.” Der Agent beschreibt, was er vorhat, und danach läuft der Prozess selbstständig. Das finde ich im Tagesgeschäft sehr praktisch.
Wobei Agenten im Alltag helfen können
Datensätze erstellen und aktualisieren, etwa anhand einer hochgeladenen Datei mit Anweisungen (zum Beispiel als PDF)
Fragen zu einer Datei beantworten, während man sie in der Vorschau ansieht
Bilder und angereicherte Schaltflächen für Websites und Mailings generieren
Anfragen per Sprache diktieren
Laut Odoo kommen außerdem Aufgaben wie Leads zuweisen oder Dokumente automatisch sortieren dazu. Und in der Keynote hat Odoo-Gründer Fabien Pinckaers die Agenten sogar gefragt, bei welchen Lieferanten sich eine Nachverhandlung lohnt.
Odoo und die MCP-Server
Mein Highlight auf der Odoo Experience war die Info zu den MCP-Servern: Wer lieber ein externes KI-Werkzeug nutzt, verbindet seine Datenbank über MCP (Model Context Protocol) einmal mit Odoo. Das Werkzeug arbeitet dann mit den Zugriffsrechten des jeweiligen Benutzers.
Was wir uns genauer ansehen würden
Das sind die Punkte, die wir in Kundenprojekten ansprechen werden:
Credits: Alle KI-Funktionen brauchen jetzt Credits, die per In-App-Kauf (IAP) erworben werden. Das gehört in die Kalkulation. Was das konkret kostet, prüfen wir und geben es weiter
Gespeicherte Unterhaltungen: Chats mit Agenten werden bis zu 30 Tage nach der letzten Nachricht gespeichert. Auch das ist für den Datenschutz relevant
Gute Vorbereitung: Zugriffsrechte aufräumen, den Prozess klar beschreiben und mit einer einzelnen Routine in der Testdatenbank starten
Mein Fazit
Odoo 20 macht aus KI ein Werkzeug, das im Hintergrund mitarbeitet. Besonders gefällt mir, dass man nachvollziehen kann, was ein Agent getan hat, und dass er nachfragt, bevor er etwas ändert. Genau das braucht es, damit Unternehmen der Automatisierung vertrauen.
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Über den Autor
David Simader ist ERP-Consultant bei MULTIOSS und begleitet Unternehmen bei Einführung, Konfiguration und Schulung von Odoo. Er war für uns bei der Odoo Experience 2026 vor Ort und hat seine Eindrücke mit den Odoo-20-Release-Notes verknüpft.